Die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsanlagen und Betriebsabläufen stellt Unternehmen vor immense, aber auch spannende Aufgaben. Die industrielle IT, die für den reibungslosen Betrieb und die Sicherheit dieser komplexen Systeme verantwortlich ist, sieht sich mit einer Reihe spezifischer Herausforderungen konfrontiert, die weit über jene der klassischen Büro-IT hinausgehen. Von der Absicherung kritischer Infrastrukturen bis hin zur Integration heterogener Altsysteme – die Anforderungen wachsen stetig und erfordern innovative Lösungsansätze und spezialisiertes Know-how.
Overview
- Die Cybersicherheit in Produktionsumgebungen ist durch die Vernetzung von OT und IT eine zentrale und wachsende Herausforderung.
- Die Integration veralteter und neuer Systeme sowie die Sicherstellung der Interoperabilität stellen hohe Anforderungen an die industrielle IT.
- Ein gravierender Mangel an qualifizierten Fachkräften, die sowohl IT- als auch OT-Kenntnisse besitzen, erschwert die Bewältigung digitaler Projekte.
- Das Management riesiger Datenmengen aus Sensoren und Maschinen erfordert fortschrittliche Analyse- und Speicherlösungen.
- Die Wartung und Aktualisierung langlebiger industrieller Hardware und Software ist aufgrund ihrer spezifischen Zyklen komplex.
- Die Einhaltung strenger nationaler und internationaler Vorschriften, wie der KRITIS-Verordnung in DE, ist für industrielle IT-Abteilungen unerlässlich.
- Die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Systemen in 24/7-Produktionsumgebungen hat höchste Priorität und verträgt keine Ausfallzeiten.
Sicherheit und Cyberbedrohungen in der industriellen IT
Die zunehmende Vernetzung von Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) in der Industrie, oft unter dem Schlagwort Industrie 4.0 zusammengefasst, eröffnet neue Effizienzpotenziale, schafft aber gleichzeitig eine erheblich größere Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Die Sicherung der industriellen IT ist dabei von entscheidender Bedeutung, da ein erfolgreicher Angriff nicht nur Datenverlust oder finanzielle Schäden verursachen, sondern auch Produktionsausfälle, physische Zerstörung von Anlagen oder sogar eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann. Im Gegensatz zur klassischen IT, wo der Fokus oft auf Vertraulichkeit liegt, steht in industriellen Umgebungen die Verfügbarkeit und Integrität der Systeme an erster Stelle. Ein Produktionsstopp kann Millionenverluste bedeuten. Viele OT-Systeme sind zudem nicht für ständige Updates oder moderne Sicherheitslösungen konzipiert und weisen Schwachstellen auf, die über Jahrzehnte hinweg bestehen bleiben können. Die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, wie sie beispielsweise in Deutschland durch das IT-Sicherheitsgesetz und die KRITIS-Verordnung für Betreiber kritischer Infrastrukturen vorgeschrieben sind, stellt für viele Unternehmen in DE eine weitere erhebliche Hürde dar, die spezielle Audits und Sicherheitskonzepte erfordert.
Komplexität der Systemintegration in der industriellen IT
Eine weitere gravierende Herausforderung für die industrielle IT ist die enorme Komplexität der Systemlandschaft. Produktionsumgebungen sind oft durch eine heterogene Mischung aus alten, über Jahrzehnte gewachsenen Systemen (Legacy-Systemen) und modernsten Technologien gekennzeichnet. SPS-Steuerungen aus den 80er-Jahren müssen oft nahtlos mit Cloud-basierten Analysetools oder IoT-Plattformen kommunizieren. Diese Integration ist oft mühsam und ressourcenintensiv, da unterschiedliche Protokolle, Schnittstellen und Datenformate überwunden werden müssen. Standardisierte Lösungen sind selten, und oft sind individuelle Anpassungen oder Middleware-Lösungen erforderlich, um die Kommunikation und den Datenaustausch sicherzustellen. Die Schaffung eines einheitlichen Datenmodells über verschiedene Systeme hinweg ist eine Herkulesaufgabe. Zudem erfordert die Pflege und Wartung dieser komplexen Architekturen spezialisiertes Wissen, das sowohl die Besonderheiten der Hardware als auch die spezifischen Softwarelösungen umfasst. Die Sicherstellung der Interoperabilität bei gleichzeitiger Wahrung der Sicherheit und Stabilität des Betriebs ist ein permanenter Spagat.
Fachkräftemangel und Wissensmanagement in der industriellen IT
Der rapide technologische Wandel in der industriellen Fertigung erfordert hochqualifizierte Fachkräfte, die sowohl tiefgreifendes IT-Wissen als auch ein Verständnis für industrielle Prozesse (OT) mitbringen. Genau hier klafft eine erhebliche Lücke: Der Markt für spezialisierte Talente in der industriellen IT ist weltweit, und besonders auch in DE, stark umkämpft. Es mangelt an Experten, die sich gleichermaßen mit Netzwerktechnik, Cybersicherheit, Datenbankmanagement und gleichzeitig mit speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS), Robotik oder SCADA-Systemen auskennen. Diese duale Expertise ist jedoch entscheidend, um die Konvergenz von IT und OT erfolgreich zu gestalten und die digitalen Produktionsprozesse abzusichern. Zusätzlich zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter stellt auch das Wissensmanagement eine Herausforderung dar. Ältere, erfahrene Mitarbeiter mit detailliertem Wissen über Legacy-Systeme gehen in den Ruhestand, und ihr oft implizites Wissen ist schwer zu dokumentieren und weiterzugeben. Unternehmen müssen daher verstärkt in die Ausbildung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren und Programme zur Wissenssicherung implementieren, um langfristig handlungsfähig zu bleiben.
Datenmanagement und Analyse in der industriellen IT
Moderne Industrieanlagen generieren unvorstellbare Mengen an Daten. Sensoren an Maschinen liefern im Sekundentakt Informationen über Temperatur, Druck, Vibrationen, Energieverbrauch und vieles mehr. Diese Datenflut, oft als “Big Data” bezeichnet, birgt ein enormes Potenzial zur Optimierung von Produktionsprozessen, vorausschauender Wartung und Qualitätskontrolle. Für die industrielle IT liegt die Herausforderung jedoch darin, diese Daten effizient zu sammeln, zu speichern, zu verarbeiten und zu analysieren. Dies erfordert nicht nur leistungsstarke Infrastrukturen und Speicherlösungen – oft im Kontext von Edge Computing, um Latenzzeiten zu minimieren – sondern auch fortschrittliche Analysetools, darunter Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen. Die Rohdaten sind oft unstrukturiert, fehlerhaft oder inkonsistent und müssen vor der Analyse aufbereitet werden. Zudem müssen Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet sein, insbesondere wenn sensible Produktionsdaten extern verarbeitet oder in Cloud-Umgebungen gespeichert werden. Die Fähigkeit, aus dieser Datenflut wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen und diese in konkrete Handlungen umzusetzen, ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Industrieunternehmen.
